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IV. Zusammenfassung

Zuerst wurden Äußerungen antiker Geschichtsschreiber über die Eroberung unter Traian sowie den Abzug unter Aurelian untersucht. In nahezu völliger Übereinstimmung sprechen sich diese sowohl bezüglich der dakischen als auch der dakoromanischen Kontinuität entschieden gegen eine solche aus.

Die Quellenstelle bei Eutropius über die Entvölkerung des Gebietes in Folge des Krieges gegen Dezebal stellt, wie aus anderen Quellen, wie z.B. der „Römischen Geschichte“ des Cassius Dio, aber auch auf Grund von archäologischen Funden, der Kontinuität der vorrömischen Fluss- und Städtenamen und der Anwesenheit von thrako-dakischen Substratmerkmalen in der heutigen rumänischen Sprache hervorgeht, eine Übertreibung dar. Es kann als bewiesen angesehen werden, dass Daker auf dem Gebiet der römischen Provinz weiterlebten und romanisiert wurden.

Auch die Quellenaussagen, nach denen die Räumung unter Aurelian eine vollständige gewesen sei, können durch Iliescus Interpretation der Stelle bei Iordanis, die nur vom Abzug des Heeres spricht, als übertrieben erkannt werden.

Die archäologischen Funde aus den ehemaligen römischen Städten weisen die Anwesenheit einer romanischen Restbevölkerung bis etwa hundert Jahre nach dem aurelianischen Abzug, bis zum Jahre 376 nach. Für die Kontinuität in den ländlichen Gebieten der ehemaligen Provinz Dazien gibt es bereits für diesen Zeitraum Beweisschwierigkeiten, da augenscheinlich sehr viele freie Daker eingewandert sind. Neben dem Urnenfund von Iernut ermöglicht das christliche Donarium von Biertan hier den Nachweis von bodenständiger dakoromanischer Bevölkerung.

Mit dem 5., spätestens aber dem 6. Jahrhundert verschwindet die Möglichkeit ihres archäologischen Nachweises.

Für das Ende des 9. Jahrhunderts erwähnen zwei historiographische Quellen: die sogenannte „Nestorchronik“ und die „Gesta Hungarorum“ des anonymen Notarius König Bélas „Walachen“ in Pannonien. Es ist jedoch nicht sicher, ob diese – scheinbar unabhängigen – Nennungen sich wirklich auf Urrumänen beziehen. Bei der Untersuchung darf nicht vom Ausdruck „Walachen“, der jünger als die Überlieferung ist, ausgegangen werden. Das in den alten ungarischen Geschichtswerken als Einwohner Pannoniens genannte Volk der „pastores Romanorum“ kann auch die Reste der pannonischen Romanen dargestellt haben, so dass dieser Quellenkomplex nicht als erste Erwähnung der Urrumänen angesehen werden darf.

Da das Werk des Notarius ins späte 12. Jahrhundert datiert wird und der mit der örtlichen Lage Siebenbürgens vertraute Autor die Rumänen seiner Zeit als alteingesessene Bevölkerung versteht, und auch die Überlieferung der rumänischen Priorität vor den Ungarn in Siebenbürgen, die Gelou-Gyula-Legende, von C. A. Macartney ins 11. Jahrhundert datiert wird, kann man diesen Zeitpunkt, als Arbeitshypothese das Jahr 1050, als erstes gesichertes Datum der Existenz von Rumänen in Siebenbürgen werten.

Bei der Entwicklung der autochthonen Flussnamen kann Fremdvermittlung nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden; nur gewisse, ganz wenige Ortsnamen dürften einen Hinweis, aber keinen Beweis für Bevölkerungskontinuität darstellen.

Allein die Theorie E. Gamillschegs und G. Reichenkrons stellt einen wertvollen Beitrag zur Lösung des Problems dar. Sie basiert auf einem Aussterben der dakoromanischen Bevölkerung in weiten Teilen der heutigen R.S.R. und lässt eine Kontinuität nur in den eng begrenzten „Kerngebieten“, von denen eines auch in Siebenbürgen angenommen wird, zu.

Seit der Entwicklung der Kerngebiet-Theorie, die in ihren Grundlagen auf Forschungen der dreißiger und vierziger Jahre unseres Jahrhunderts zurückgeht, sind eigentlich kaum Fortschritte zur Lösung der Gesamtfrage erzielt worden. Am ehesten lassen diese sich auf dem Gebiet der archäologischen Forschungen erwarten, und vielleicht können verfeinerte Methoden in der ethnischen Unterscheidung von Fundmaterial erarbeitet werden. Die Untersuchungen bezüglich einer Keramikkontinuität sind hier meiner Meinung nach allerdings nicht vielversprechend.

Somit muss noch immer von einer Lücke von 500 Jahren, vom 5. bzw. 6. bis zum 11. Jahrhundert, gesprochen werden. Den derzeit kräftigsten Hinweis zu ihrer Schließung stellt die Theorie der Kerngebiete dar, die aber meines Erachtens auch nicht als schlüssiger Beweis zu werten ist. Die Frage der dakoromanischen Kontinuität ist als noch nicht gelöst zu betrachten.